Was ist eine Ijāzah im Koran?

Die arabische Bezeichnung Ijāzah (إجازة) bedeutet wörtlich „Erlaubnis“ oder „Lizenz“ und beschreibt im islamischen Kontext die Erlaubnis, einen bestimmten Text oder eine Überlieferung weiterzugeben.

Eine Ijāzah wird von einem anerkannten Gelehrten oder Koran‑Lehrer erteilt, der dadurch bestätigt, dass der Schüler den Koran mit korrekter Aussprache (Tajweed) rezitiert oder auswendig gelernt hat und autorisiert ist, dieses Wissen weiterzugeben. Dieser Beitrag erklärt, was genau eine Ijāzah ist, welche Arten es gibt und wie man sie erlangen kann.

Ursprung und Bedeutung der Ijāzah

Der Begriff Ijāzah wurde bereits im 8. Jahrhundert verwendet, um die Überlieferung von Wissen zu regulieren. Historisch erhielt ein Student die Ijāzah, nachdem er einen bestimmten Text vollständig bei seinem Lehrer gelesen hatte und dabei sämtliche Aussprache‑ und Sinnregeln beherrscht hatte. Besonders im Bereich der Koran‑Rezitation dient die Ijāzah als Nachweis einer ununterbrochenen Überlieferungskette (Isnād), die bis zum Propheten Mohammad zurückreicht.

Eine Ijāzah ist mehr als nur ein Zertifikat; sie bietet:

  • Authentizität: Sie garantiert, dass die Rezitation oder Auslegung auf einer gesicherten Kette vertrauenswürdiger Lehrer basiert, wodurch die korrekte Überlieferung des Koranbewahrt wird.
  • Autorität zu lehren: Nur wer eine Ijāzah besitzt, darf offiziell Koran‑Unterricht geben und selbst eine Ijāzah an andere vergeben. Dadurch wird die Qualität der Lehre geschützt.
  • Spirituelle Verbindung: Die Verbindung der Isnād‑Kette schafft ein Gefühl spiritueller Kontinuität und Nähe zum Propheten.

Arten von Ijāzah im Koran

Laut klassischen und modernen Quellen existieren hauptsächlich zwei große Kategorien von Ijāzah, die sich wiederum unterteilen:

Art der IjāzahBeschreibung
Ijāzah im Hifẓ (Auswendiglernen) mit TadschwīdDer Schüler rezitiert den gesamten Koran vom Gedächtnis mit korrekter Aussprache und erhält die Erlaubnis, den Koran weiterzugeben. Viele Lehrer verlangen, dass man zuvor die Regeln des Tajweed beherrscht.
Weitere FormenManche Institutionen vergeben Ijāzah für bestimmte Bereiche wie Tajweed‑Wissenschaft, die Wissenschaft der Qiraʾāt oder Hadith.

Wie erlangt man eine Ijāzah?

Das Erhalten einer Ijāzah erfordert Disziplin, Geduld und die Anleitung eines qualifizierten Lehrers. Die Schritte basieren auf den Angaben von Lehranstalten:

  1. Beherrschung der Tajweed‑Regeln: Ein angehender Schüler muss zunächst lernen, wie die arabischen Buchstaben und Laute richtig ausgesprochen werden und welche Verlängerungen (Madd), Pausen und Stimmregeln gelten.
  2. Unterricht bei einem qualifizierten Scheich: Eine Ijāzah ist nur gültig, wenn sie von einem zertifizierten (Mujaz) Lehrer kommt, der selbst eine durchgehende Isnād (Kette) besitzt. Der Schüler liest den gesamten Koran vor diesem Lehrer.

Warum ist eine Ijāzah wichtig?

Neben dem spirituellen Aspekt hat eine Ijāzah auch gesellschaftliche und akademische Bedeutung:

  • Bewahrung der Authentizität: Die Ijāzah sichert, dass keine Fehler oder Neuerungen in die Rezitation gelangen.
  • Wissenschaftliche Anerkennung: Sie dient als Nachweis, dass der Inhaber die erforderlichen Kenntnisse erworben hat und berechtigt ist, zu lehren oder Forschung zu betreiben.
  • Persönliche Entfaltung: Der Lernprozess stärkt das eigene Verhältnis zum Koran, fördert Selbstdisziplin und spirituelle Achtsamkeit

Eine Ijāzah im Koranist weit mehr als ein symbolisches Zertifikat. Sie ist das Resultat intensiver Arbeit, tiefer Hingabe und der Nähe zu einem gelehrten Lehrer. Durch die Ijāzah bleibt die originale Rezitation des Qurʾān über Generationen hinweg unverändert erhalten. Wer sich dieser Tradition anschließt, trägt zur Bewahrung der Authentizität des heiligen Buches bei und darf dieses Wissen verantwortungsvoll weitergeben.

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