Die Bedeutung der Mushaf-Zeichen
Lerne die Bedeutung der Mushaf-Zeichen im Koran kennen. Hilfreich für korrektes Lesen, Rezitieren und besseres Textverständnis.
Mushaf-Zeichen sind kleine Symbole im gedruckten Koran, die Pausenverhalten und Betonung anzeigen: Mim (م) zwingt zum Anhalten, Lā (لا) verbietet es, Ṣilā (صلى) empfiehlt Weiterlesen, Qilā (قلى) empfiehlt Anhalten, Dschim (ج) erlaubt beides, drei Punkte (•••) markieren eine von zwei möglichen Pausenstellen, das Sadschda-Zeichen fordert eine Niederwerfung, Sin steht für eine winzige Atempause und das Viertel-Juz-Zeichen dient nur der Orientierung.
Wenn du gerade dabei bist, den Koran zu lesen oder zu lernen, wie man ihn richtig liest, sind dir bestimmt schon die verschiedenen Symbole aufgefallen, die oft zwischen den Versen oder innerhalb der Wörter erscheinen. Diese Symbole, bekannt als Mushaf-Zeichen, spielen eine entscheidende Rolle für das korrekte Verständnis und die richtige Rezitation des heiligen Textes. In diesem Artikel erkläre ich dir die 9 wichtigsten Mushaf-Zeichen, was sie bedeuten und wie du sie beim Lesen des Korans richtig anwendest.

Was sind Mushaf-Zeichen und warum sind sie wichtig?
Mushaf-Zeichen sind spezielle Symbole, die im Koran verwendet werden, um den Leser auf wichtige Punkte während der Rezitation hinzuweisen. Sie helfen dabei, Pausen, Fortsetzungen, Verkürzungen oder besondere Aussprachehinweise zu geben. Ohne diese Zeichen könnte die Bedeutung eines Verses leicht missverstanden oder falsch rezitiert werden.
Die 9 wichtigsten Mushaf-Zeichen und ihre Bedeutung
1. Das Symbol „Mim“ (م) – Ein Muss zum Anhalten
Das Symbol, das wie der Buchstabe „Mim“ aussieht, bedeutet, dass du unbedingt an dieser Stelle anhalten müsst. Wenn du nicht anhälst, kann sich die Bedeutung des Verses oder eines Teils davon verändern.
Zum Beispiel: Wenn du beim Lesen auf dieses Symbol stoßt, müsst du stoppen, um die korrekte Bedeutung zu bewahren.

2. Das Symbol „La“ (لا) – Nicht anhalten!
Das Zeichen „La“ ist das genaue Gegenteil von „Mim“. Es bedeutet, dass du an dieser Stelle nicht anhalten darfst – auch dann nicht, wenn es am Ende eines Verses steht, wo man sonst anhalten könnte, denn der Sinn geht unmittelbar in den nächsten Vers über. Besonders wichtig ist auch, dass du, falls du hier notgedrungen doch anhalten musstest, beim Weiterlesen nicht direkt ab dieser Stelle neu ansetzt, sondern zu einer geeigneten Stelle davor zurückkehrst.
Das Verbot, hier zu pausieren, hilft, den Zusammenhang des Verses zu bewahren und den Fluss der Rezitation aufrechtzuerhalten.

3. Drei Punkte (•••) – Anhalten an einer der beiden Stellen
Wenn du drei Punkte siehst, bedeutet das, dass du an einer der markierten Stellen anhalten kannst, aber nur an einer einzigen Stelle. Das gibt dir die Freiheit, den Versfluss zu gestalten, ohne die Bedeutung zu verändern.
Zum Beispiel im zweiten Vers der Sure Al-Baqara kannst du entweder an der ersten oder an der zweiten Stelle anhalten.

4. Das Symbol „Ṣilā“ (صلى) – Besser weiterlesen
Dieses Zeichen ist eine Abkürzung für „al-waṣlu awlā“ (das Weiterlesen ist vorzuziehen) und bedeutet, dass es besser ist, weiterzulesen, anstatt anzuhalten.
In der Praxis bedeutet das, dass eine Pause zwar möglich ist, aber die Fortsetzung der Rezitation bevorzugt wird.

5. Das Symbol „Qilā“ (قلى) – Besser anhalten
Das Symbol „Qilā“ ist eine Abkürzung für „al-waqfu awlā“ (das Anhalten ist vorzuziehen) und damit das Gegenteil von „Ṣilā“. Es weist darauf hin, dass es besser ist, an dieser Stelle anzuhalten.
In der Praxis solltest du also eine Pause einlegen, um die Bedeutung und den Fluss richtig zu erfassen.

6. Das Symbol „Dschim“ (ج) – 50/50 Pause oder Weiter
Das Zeichen „Dschim“ signalisiert, dass es zu gleichen Teilen erlaubt ist, hier anzuhalten oder weiterzulesen. Es gibt weder einen zwingenden Grund, zu stoppen, noch unbedingt weiterzumachen.
Das gibt dem Leser die Freiheit, je nach Situation und Verständnis zu entscheiden.

7. Das Sedschda-Symbol – Niederwerfung vor Allah
Das Sedschda-Zeichen zeigt an, dass nach Beendigung des Verses eine Niederwerfung (Sedschda) vor Allah gemacht werden sollte. Es gibt zwischen 11 und 15 solcher Stellen im Koran (abhängig von der Fiqh-Rechtsschule).

8. Das Sin-Symbol – Sehr kurze Pause
Das Sin-Zeichen steht für eine sehr kurze Pause, die etwa eine halbe Sekunde dauert. Es bedeutet nicht, dass du tief Luft holen oder wirklich anhalten solltst, sondern nur eine winzige Unterbrechung, bevor du weitersprichst.

9. Das Viertel-Juz-Zeichen – Unterteilung des Korans
Dieses Zeichen beeinflusst die Aussprache nicht und hat keine Auswirkungen auf die Bedeutung, sondern dient lediglich zur Orientierung und Strukturierung beim Lesen und Lernen.

Häufige Fragen
Was bedeutet das Mim-Zeichen (م) im Koran?
Mim steht für Waqf Lāzim, eine zwingende Pause. Liest du an dieser Stelle weiter, ohne anzuhalten, kann sich die Bedeutung des Verses verändern oder verfälschen.
Wie viele Sadschda-Stellen gibt es im Koran?
Je nach Rechtsschule (Fiqh-Madhhab) werden 11 bis 15 Sadschda-Stellen gezählt. An jeder markierten Stelle wird nach dem Vers eine Niederwerfung (Sadschda at-Tilāwah) empfohlen bzw. vollzogen.
Was ist der Unterschied zwischen Ṣilā (صلى) und Qilā (قلى)?
Beide Zeichen markieren eine optionale Pause. Ṣilā steht für al-waṣlu awlā (Weiterlesen ist vorzuziehen), Qilā für al-waqfu awlā (Anhalten ist vorzuziehen). Beides sind Empfehlungen, keine festen Prozentangaben.
Wofür steht das Sin-Zeichen (سكتة)?
Es markiert eine Sakta – eine sehr kurze Unterbrechung von etwa einer halben Sekunde, ohne dabei Luft zu holen. Die Rezitation wird danach direkt fortgesetzt.
Verändert das Viertel-Juz-Zeichen die Aussprache?
Nein. Es hat keinen Einfluss auf Pausen oder Bedeutung, sondern dient ausschließlich der strukturellen Orientierung beim Lesen und beim Auswendiglernen in Vierteln des Juzʾ.
Quellen
- Muḥammad ibn Ṭayfūr as-Sajāwandī: ʿIlal al-Wuqūf
- Abū ʿAmr ad-Dānī: al-Muktafā fī l-Waqf wa-l-Ibtidāʾ
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