Koranweg
Überlieferung

Ijāzah إِجَازَة

Lehrlizenz, Bescheinigung eines Lehrers, dass der Schüler den Koran in einer Lesart korrekt überliefern darf.

Eine Ijāzah ist die formelle Lizenz, die ein anerkannter Lehrer einem Schüler erteilt, nachdem dieser den gesamten Koran in einer bestimmten Lesart (Qirāʾah) auswendig und mit Tajweed vorgetragen hat.

Die Ijāzah enthält eine Sanad, eine Kette von Lehrern, die über jeweils direkte Überlieferung bis zum Propheten Muhammad ﷺ zurückreicht.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Eine Ijāzah ist kein Zertifikat im westlichen Sinn, sondern eine persönliche Bürgschaft: Der Lehrer bestätigt mit seinem eigenen Namen und seiner eigenen Überlieferungskette, dass der Schüler den Koran fehlerfrei vorgetragen hat. Sie unterscheidet sich damit von den Qirāʾāt selbst: Die Qirāʾāt sind die zehn anerkannten Lesarten, die Ijāzah ist die Erlaubnis, eine davon zu lehren und weiterzugeben.

Die Kette (Sanad) einer Ijāzah kann mehrere Dutzend Namen umfassen, jeder davon selbst Träger einer eigenen Ijāzah. Diese ununterbrochene, mündliche Weitergabe von Lehrer zu Schüler ist der Grund, warum der Koran seit vierzehn Jahrhunderten in identischer Aussprache überliefert wird. Bücher allein könnten diese Präzision nicht garantieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ijāzah und Hifz?

Hifz (Auswendiglernen) ist die reine Memorisierung des Korantextes. Eine Ijāzah bescheinigt zusätzlich, dass der Schüler den Text mit korrektem Tajweed vorgetragen hat und die Überlieferungskette (Sanad) zum jeweiligen Lehrer besitzt: Sie ist mehr als bloßes Auswendigkönnen.

Braucht man eine Ijāzah für jede Lesart einzeln?

Ja. Da sich die zehn Qirāʾāt in Aussprache und teils Wortlaut unterscheiden, wird eine Ijāzah jeweils für eine bestimmte Lesart (oder Riwāya) erteilt, mit einer eigenen Überlieferungskette.

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