Qirāʾāt قِرَاءَات
Die zehn anerkannten Lesarten des Korans, überliefert von zehn Imamen.
Qirāʾāt (Singular: Qirāʾah) sind die offiziell anerkannten Lesarten des Korans. Jede Lesart geht auf einen der zehn Imame zurück (z. B. ʿĀṣim, Nāfiʿ, Ibn Kathīr…) und wurde von zwei Hauptschülern (Rāwīs) weitergegeben.
Die heute verbreitetste Lesart in den meisten Mushafs ist Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim. Die Unterschiede zwischen Lesarten betreffen Aussprache, Verlängerungen und in seltenen Fällen die Wortwahl.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Eine Qirāʾah ist nicht dasselbe wie eine Riwāya: Die Qirāʾah ist dem Imam selbst zugeordnet (z. B. ʿĀṣim), die Riwāya seinem überliefernden Hauptschüler (z. B. Ḥafṣ oder Shuʿba, beide von ʿĀṣim). „Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim” bedeutet wörtlich „Ḥafṣ, überliefernd von ʿĀṣim”: Die vollständige Bezeichnung nennt also Riwāya und Qirāʾah gemeinsam.
Wer eine Qirāʾah lehren möchte, braucht dafür eine eigene Ijāzah mit entsprechendem Sanad. Die Vielfalt der Qirāʾāt und die Strenge der Überlieferungsketten sind zwei Seiten desselben Systems, das die Authentizität des Korantextes über Jahrhunderte gesichert hat.
Häufige Fragen
Sind alle zehn Qirāʾāt gleichermaßen korrekt?
Ja. Alle zehn Lesarten gelten als authentisch überliefert (mutawātir) und gleichwertig gültig. Unterschiede betreffen Aussprache, Vokalisierung und Verlängerungslängen, in seltenen Fällen die Wortwahl, aber nie die Kernbedeutung eines Verses.
Warum liest man in den meisten Ländern nur eine Lesart?
Aus praktischen Gründen: Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim hat sich historisch am weitesten verbreitet und wird in den meisten gedruckten Mushafs verwendet. Andere Regionen, etwa Nord- und Westafrika, nutzen traditionell Warsh ʿan Nāfiʿ.